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Lateinamerika hat in den vergangenen Dekaden einen rasanten politischen und wirtschaftlichen Wandel erfahren. Für die Menschenrechte bedeuteten das Ende des Kalten Krieges, die Demokratisierung der Region und das Ende der blutigen Bürgerkriege, vor allem in den zentralamerikanischen Staaten, einen wesentlichen Fortschritt.
Allerdings gibt es in allen 34 lateinamerikanischen Ländern, dazu zählen Süd- und Zentralamerika aber auch Teile der Karibik, weiterhin zahlreiche Verstöße gegen die Menschenrechte, insbesondere im vom andauernden Bürgerkrieg gezeichneten Kolumbien, auf Kuba, sowie in Mexiko und Zentralamerika. Fälle massiver Polizeigewalt, Verschwindenlassen und Einschüchterungsversuche stehen in unterschiedlichen Maße in allen lateinamerikanischen Staaten noch auf der Tagesordnung, zudem weit verbreitete Straflosigkeit. Insbesondere in Zentralamerika bekommen mit den so genannten Maras - extrem gewaltbereiten Jugendgangs - nichtstaatliche Akteure eine zunehmende Bedeutung. Ebenfalls in Zentralamerika und Mexiko bedeutet die US-amerikanische Einwanderungspolitik ein großes Problem für die Menschenrechte: täglich sterben unzählige zentralamerikanische TransmigrantInnen in Mexiko bei dem Versuch, auf Güterzügen in die USA zu gelangen. Auch die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Menschenrechte werden nicht ausreichend beachtet: so ist der Zugang zu medizinischer Behandlung in großen Teilen der Region für bedeutende Bevölkerungsgruppen sehr mangelhaft - Peru verzeichnet eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten der Welt. Das Recht auf Wohnen ist - unter anderem durch Zwangsvertreibungen in Mexiko und Kolumbien - weiterhin vielfach bedroht. Der rücksichtslose Einsatz von Pestiziden führt vielerorts zu schweren gesundheitlichen Problemen, verseucht das Grundwasser und das Land - auch dies ist eine Frage der Menschenrechte. Gewalt gegen Frauen und weit verbreitete Straflosigkeit sind auf dem ganzen Kontinent ein großes Problem. Traurige Berühmtheit haben hier insbesondere die nordmexikanischen Grenzstädte Chihuahua und Ciudad Juárez erlangt, in denen seit Jahren unzählige junge Frauen verschwanden und ermordet wurden, ohne dass die Fälle bisher auch nur annähernd aufgeklärt wurden.
Das Interesse an dem Kontinent hat stetig abgenommen. Immer schwieriger finden die argentinischen Mütter der Plaza de Mayo, aber auch die Wahrheitskommission in Peru, die Friedensdörfer in Kolumbien oder die zentralamerikanischen TransmigrantInnen in Mexiko einen Weg in die deutschen Medien. Der Bedarf an großen Schlagzeilen kann nicht bedient werden, jedoch bedeutet dies keinesfalls, dass die Menschenrechte in Lateinamerika überall verwirklicht wären.
Die Amnesty International Lateinamerikagruppe sucht deshalb konstant das Thema in Deutschland wieder in die Öffentlichkeit zu tragen und die zahlreichen Menschenrechtsverteidiger in der Region zu unterstützen – in Mexiko, Kuba, El Salvador und den anderen 31 Staaten. Bisher ist das Konzept einer ai Gruppe, die einen gesamten Kontinent zum Thema hat, neu. Keinesfalls bedeutet es die Einmischung in die Arbeit der anderen Gruppen oder gar Kogruppen - sondern deren Unterstützung.
Für die Menschenrechte in Lateinamerika und für das Aufrechterhalten der Beziehungen zwischen deutschen und lateinamerikanischen Menschenrechtlern setzen wir uns ein.
Unterstützen Sie uns dabei!
Weitere Informationen finden Sie hier oder auf der Homepage der deutschen Sektion von Amnesty International.